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Technologie
Eine Frage des guten Geschmacks

Das Unternehmen baut in Zetel Maschinen mit ausgeklügelter Mikrowellentechnologie. Die einzelnen Komponenten von Fertiggerichten werden damit auf den Punkt gegart.

Guten Appetit! Lars Schrade kostet die Fertiggerichte natürlich auch selbst.
 
  Bild: Sandra Binkenstein

ZetelFertiggerichte haben einen schlechten Ruf – und das nicht ganz zu Unrecht, findet Lars Schrade, Kaufmännischer Leiter der Firma „Dry Control Technologies“. „Das ist ja oft eher ein Einheitsbrei, das Gemüse ist zerkocht, die Soße eine einzige Pampe“, sagt er. Worauf Lars Schrade hinaus will: Es geht auch anders. Mit Geschäftsführer Karl Wilhelm Schrade hat sich die „Dry Control Technologies“ zum Ziel gesetzt, die Welt der Fertiggerichte auf den Kopf zu stellen, „richtiges Essen“ daraus zu machen, das nicht nur einen guten Ruf, sondern auch einen guten Geschmack hat. Und das alles soll funktionieren mit ausgeklügelter Mikrowellentechnologie.

Gemüse soll Biss haben

Die Firma „Dry Control Technologies“ im Zeteler Gewerbegebiet Roßfelde mischt die Fertiggerichtsbranche auf – allerdings noch nicht in Deutschland. „Wir verkaufen unsere Maschinen in vielen Ländern, in den USA, Südamerika, in Norwegen und Thailand, um nur einige zu nennen. Wir arbeiten in vielen Ländern mit den Marktführern für Fertiggerichte zusammen“, sagt Lars Schrade. In Deutschland ließe der Durchbruch noch auf sich warten.

Das Zeteler Unternehmen stellt keine Fertiggerichte her. Die Firma baut die großen, komplexen Anlagen, die es möglich machen, die verschiedenen Komponenten von Fertiggerichten – zum Beispiel Fleisch und Gemüse – unterschiedlich lange zu garen, so dass das Fleisch schmackhaft durchgegart und das Gemüse noch bissfest ist. „Wir arbeiten mit speziellen Einstellungen, die individuell auf jedes Gericht angepasst werden. Wie beim Kochen mit mehren Kochtöpfen zu Hause“, sagt der 33-Jährige und lächelt geheimnisvoll. Es funktioniere eben nicht auf die herkömmliche Art: alles in eine Schale, alles zusammen für die gleiche Zeit erhitzen. Die innovative Mikrowellentechnologie von DCT schaffe es, die einzelnen Komponenten unterschiedlich lange genau auf den Punkt zu garen.

„Wir entsprechen mit unserer Innovation dem gesellschaftlichen Wandel: Immer mehr Menschen wohnen in Single-Haushalten oder beide sind berufstätig. Da fehlt oftmals die Lust, sich allein eine schmackhafte Mahlzeit zu kochen. Wir wollen eine hochwertige Alternative bieten“ – Lars Schrade hofft auf den großen Durchbruch.

Seit 2006 in Zetel

Im Moment baut das Unternehmen die Halle des ehemaligen Sonderpostenhandels Meinex in eine Maschinenproduktionshalle um, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Dort sollen zukünftig die komplexen Mikrowellenanlagen, die Fleisch von Gemüse unterscheiden können, gebaut werden.

In Zetel ist das Unternehmen seit 2006 ansässig und erweitert seitdem ständig die Kapazitäten. In drei Gebäuden arbeiten die rund 30 Mitarbeiter des Unternehmens im Gewerbegebiet Roßfelde. „Wir glauben an den Standort Zetel“, sagt Lars Schrade, und meint damit, dass er daran glaubt, dass sich der Jade-Weser-Port doch noch irgendwann entwickelt.

Fachkräftemangel

Denn deswegen ist das Unternehmen ursprünglich 2000 nach Friesland gekommen. Eigentlich hat die Firma „Dry Control Technologies“ mit ihrer Mikrowellentechnologie nämlich etwas ganz anderes bewerkstelligt: Ursprünglich war das Unternehmen darauf spezialisiert, Lebensmittel wie Kürbiskerne oder Gewürze keimfrei zu machen und zu trocknen – natürlich mit Mikrowellen. Auch dafür gibt es noch Maschinen in den Gebäuden im Gewerbegebiet Roßfelde. Aber es ist eher ein Nebenerwerb von DCT, sagt Lars Schrade. Würden die Lebensmittel zu großen Teilen nicht über den Hamburger Hafen, sondern über den Jade-Weser-Port umgeschlagen werden, wäre das vielleicht etwas anderes, und DCT würde täglich tonnenweise Kürbiskerne entkeimen. Aber daraus ist bisher nichts geworden.

Für die Produktion von Mikrowellentechnologie für internationale Fertiggerichtskonzerne ist der Standort nicht entscheidend. Allerdings habe Zetel einen Nachteil: „Unser großes Dilemma ist der Fachkräftemangel in Zetel. Vor allem der Bereich Elektrotechnik und Automatisierungstechnik ist gefragt, außerdem suchen wir gute Schlosser und Konstrukteure.“

„Ohne die notwendige Verstärkung bleibt Zuhause nicht immer viel Zeit zum Kochen“, sagt Jörg Schrade, Leiter für die Neuentwicklungen und Bruder von Lars Schrade. An langen Tagen nehmen sich Lars und Jörg Schrade dann gerne mal eine Schale auf den Punkt gegarter Fertiggerichte mit nach Hause.